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Meldungen Februar 2012

• „Die Live-Elektronik wird erwachsen” – Robert HP Platz’ "Branenwelten 6" wird in Stuttgart uraufgeführt

• Harmonik als kontinuierliche Transformation im menschlichen Bewusstsein – Uraufführungen von Stefan Pohlit in Stuttgart und im Wallis

„Die Live-Elektronik wird erwachsen” – Robert HP Platz’ "Branenwelten 6" wird in Stuttgart uraufgeführt

Robert HP Platz lotet mit seinem Werkzylus Branenwelten – der Begriff stammt aus der Astrophysik und beschreibt mögliche, bislang unbekannte Universen – völlig neue Klangerfahrungen aus. Die sechs Teile sind sowohl einzeln als auch in jeder beliebigen Konstellation aufführbar, sukzessive wie auch simultan. Sein neuestes Werk, "Branenwelten 6" ist für Klavier und Live-Elektronik geschrieben; darin werden die vom Klavier produzierten Klänge noch im Instrument aufgenommen und innerhalb der Wahrnehmungsschwelle, also in Echtzeit elektronisch verfremdet.

Der Komponist beschreibt seine Arbeit folgendermaßen: „Alle Klänge, auch die elektronischen, kommen aus dem Klavier. Es gibt keine Teilung mehr in das Instrument einerseits und eine Batterie von Lautsprechern in den Saalecken andererseits, durch die elektronische Klänge wie eine Spielzeugeisenbahn im Kreis herum geschickt werden. Es gibt nur noch das Klavier selbst, das nach und nach eine Erweiterung im Klang erfährt.” Um dies zu erreichen, verbrachte Robert HP Platz viele Tage im Pariser IRCAM und arbeitete intensiv mit dem Pianisten Nicolas Hodges zusammen. „Auch für den Spieler selbst ist es eine umwerfend neue Erfahrung; ich habe natürlich auch in die Tasten gegriffen und bemerkt, dass die elektronischen Klänge nicht mehr eine fremde andere Ebene sind, die zum Klavier hinzutritt. Es ist wie gesagt das Klavier selbst, das nun anders reagiert, und der Spieler entwickelt eine Sensibilität, die er selbst in den Fingerspitzen fühlt, da er durch sein Spiel die Klänge mit gestaltet. Die Live-Elektronik wird somit erwachsen.”

Die Uraufführung findet am 12. Februar im Rahmen des Éclat Festival Stuttgart statt, der Interpret ist Nicolas Hodges.

Harmonik als kontinuierliche Transformation im menschlichen Bewusstsein – Uraufführungen von Stefan Pohlit in Stuttgart und im Wallis

Seit vielen Jahren lebt, arbeitet und forscht der 1976 in Heidelberg geborene Stefan Pohlit in der Türkei. So promovierte er z.B. 2011 am Musikforschungszentrum MİAM der Technischen Universität Istanbul mit einer Forschungsarbeit über das Stimmungssystem des französischen Qānūn-Virtuosen Julien Jalâl Ed-Dine Weiss. Und auch in seinem eigenen kompositorischen Schaffen, das in unterschiedlichsten Besetzungen von der Kammermusik für europäische wie traditionelle türkische Instrumente über Chorwerke bis hin zu Orchesterstücken vorliegt, widmet er sich immer wieder alternativen Stimmungssystemen. Etwa auch in "Taroq" für Orchester, ein Auftragswerk des SWR Stuttgart, das am 10. Februar 2012 beim Stuttgarter Éclat-Festival uraufgeführt wird. Die Interpreten sind das RSO Stuttgart des SWR unter der Leitung von Matthias Pintscher.

Im ausführlichen Vorwort zur Partitur schreibt Pohlit unter anderem: „Ich habe oft bedauert, dass die Musik des Abendlandes nach 1945, trotz all ihrer technischen und ästhetischen Errungenschaften, wenig Interesse an der Umwandlung unserer Erfahrung von Intervallen und Harmonik gezeigt hat. Das Konzept der Tonalität – das ich immer als eine der faszinierendsten Möglichkeiten mehrstimmiger Musik betrachtete – hatte sich offenbar mit seiner letzten historischen Manifestierung überlebt. [...] Harmonik bedeutet für mich kontinuierliche Transformation – eine Art Potentialität von Ton-Erfahrung, die sich gemeinsam mit einem menschlichen Bewusstsein entwickelt. Ich begann, praktische Möglichkeiten zu erforschen, um meine Erfahrung in immer neuen tonalen Analogien hörbar zu machen. Diese Partitur stellt auf diesem Wege einen gegenwärtigen Entwicklungsstand dar. Ganz gezielt wurde eine traditionelle Sonatenform gewählt, um die exzentrische Haltung des Werkes im formalen Rahmen logisch verfolgter Tonbeziehungen zu entfalten. [...] Mit seiner Haupttonart, dem exzentrischen Fis, beschreibt das Werk eine großformale Entwicklung des Loslassens und der Befreiung. Der Verlauf der Formabschnitte wird zudem durch sieben suggestive Untertitel akzentuiert, denen eine Kombination aus dem Crowley-Thoth-Tarotdeck zugrunde liegt. Der Titel ‚taroq’ selbst verweist auf den möglichen etymologischen Ursprung des Tarot in der arabischen Sprache, wo das Wort – im Plural – ‚Wege’ bedeutet.“

Ebenfalls am 10. Februar 2012 kommt es im Schweizer Wallis zu einer weiteren Uraufführung: Im Gemeindesaal von Feschel interpretiert das Ensemble UMS N'JIP (Ulrike Mayer-Spohn, Blockflöte und Javier Hagen, Tenor/Countertenor) erstmals Pohlits "Religion der Liebe" nach einem Text des Sufi-Dichters Ibn-Arabi (13. Jh.). Weitere Aufführungen folgen u.a. am 11. Februar in Staldenried und am 12. Februar in Grengiols.

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