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Titelmeldung November 2010 | zurück [Enno Poppe]

Enno Poppe ist Composer-in-residence beim Dialoge Festival in Salzburg / Ur- und Erstaufführungen in München, Holland, England und Tschechien

„Das Streichquartett ist die Heimat der abendländischen Bürgermusik”, schreibt Enno Poppe im Zusammenhang mit seinem neuen Stück „Wald” für vier Streichquartette. „Hier ist alles Satz. Diskurs statt Deklamation. Schönberg und seine Nachfolger konnten so die unglaublichsten Expeditionen unternehmen, ohne das Wohnzimmer zu verlassen. Heute ist die Satztechnik selbst die Provokation, das Stillsitzen, das Vernünftige.” Daher überhöht er die Satztechnik des Streichquartetts. „Meine musikalische Forschungsarbeit hat immer mit Maßstäben zu tun, Vergrößerungen und Verkleinerungen. Ich möchte in einer Arbeit zum Thema Streichquartett erstens das Mikroskop nehmen und jeden Musiker mit seinen vier Saiten als Quartett auffassen. Gleichzeitig wird das Ensemble vervierfacht zu einer Art Metasatztechnik. Die ist noch zu finden.” Zu erleben ist dieses neue Ergebnis musikalischer Forschung erstmals am 11. November 2010 im Carl-Orff Saal in München in einem Konzert der musica viva. Beat Furrer leitet das Ensemble Resonanz.
Weitere Aufführungen folgen: 18. November in Amsterdam, Muziekgebouw aan’t IJ und 20. November beim Huddersfield Contemporary Music Festival.

Mit einem ganz anderen Genre ist Enno Poppe am 12. November bei der November Music im holländischen s'Hertogenbosch und anschließend beim britischen Huddersfield Contemporary Music Festival am 19. November zu Gast. „Interzone” ist eine Mischung aus konzertantem Musiktheaterabend und Videoinstallation – und ein Gemeinschaftswerk, denn neben dem Komponisten Enno Poppe haben die belgische Videokünstlerin Anne Quirynen und der Autor Marcel Beyer mitgewirkt. Beyer wiederum nahm Texte von William S. Burroughs aus dem Buch „Naked Lunch” zur Grundlage für eine Reise durch unterschiedlichste verzerrte Cityscapes. Neben halluzinatorischen Songtexten und den ständig flackernden Bildern ist auch Poppes Musik ein Gemenge aus Klängen und Geräuschen, das mal kammermusikalisch, mal Raum sprengend anmutet. Ein teils beunruhigendes Fest der Sinne, mit den Neuen Vocalsolisten Stuttgart, Omar Ebrahim als Sprecher, dem Ensemble Mosaik und unter der Leitung von Enno Poppe.

Ebenfalls am 12. November findet in Prag im Rahmen des Prager Festivals für zeitgenössische Musik Contempuls die tschechische Erstaufführung von Enno Poppes Ensemblestück „Salz” statt. Dazu schreibt der Komponist: „Ich habe mein Mikroskop genommen und Dinge darunter gelegt, die eigentlich zu groß sind. Seit Jahren habe ich mit Steigerungen gearbeitet, Wachstums- und Verfallsprozessen. Es wurde also Zeit, dieses dramaturgische Mittel selbst in den Mittelpunkt zu rücken und einigen Überprüfungen auszusetzen. „Salz” besteht aus 125 Steigerungen, Wellen, die in Wellen angeordnet sind, die in Wellen angeordnet sind. Dabei wird alles allmählich immer schneller und lauter. Hier ist eine doppelte Brechung angestrebt: das manipulative Verfahren der Steigerung wird ausgebremst, zerstückelt und in eine starre, vorhersehbare Ordnung gepresst. Die Vorhersehbarkeit kann aber eine Energie haben, die mit Überraschungen nie erzeugt werden kann. Spannung heißt ja, dass man weiß, was als nächstes passiert.” Das Klangforum Wien spielt unter der Leitung von Clement Power.

Enno Poppe steht auch im Mittelpunkt des Festivals Dialoge am Mozarteum Salzburg, die vom 2. bis 5. Dezember 2010 stattfinden. Die Programme des Festivals entstanden gemeinsam mit dem Komponisten, dessen eigenen Werke "Holz", "Salz", "Schrank", "Speicher I" und "Rad" dabei im Mittelpunkt stehen. Ausgehend davon und im Gespräch mit ihm sind weitere Stücke, Komponisten, ist Musik seines Interesses in die Programme der Konzerte eingeflossen. So werden beispielsweise Symphonien von Carl Philipp Emanuel Bach auf persische Musik von Hossein Alizadeh treffen, Englische Suiten von Johann Sebastian Bach werden mit Musik für Ensemble und Roboter kombiniert, Blue Cliffs von Jorge E. López findet sich im Programm ebenso wie Rothko Chapel von Morton Feldman, das im Konzert mit Mozarts Requiem in einen Dialog treten wird. Als Komponist und Dirigent ist Poppe auch Mitbegründer und musikalischer Leiter des Ensemble Mosaik aus Berlin, das erstmals bei den Dialogen vertreten sein wird.
Weitere Informationen:
www.mozarteum.at/konzerte/dialoge/dialoge-dezember-2010.html



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